Was bringt mir Qi Gong ?

Da gibt es einen bekannten Spruch:

Sage einem asiatischen „Schüler“, er solle dies oder das machen (z.B. eine Qi Gong-Übung) und er antwortet: „Ja“

Sage dasselbe einem europäischen Schüler und er wird fragen: „Warum?“

Nun, dieses Fragen ist sicherlich nicht falsch, behindert uns aber oft auch, denn wir wollen alles hinterfragen, wir wollen zuviel wissen, wir wollen erst die Theorie (und die braucht manchmal Jahre) und dann die Praxis (die dauert u.U. Jahrzehnte). Versteht mich nicht falsch, man sollte schon wissen, was man da macht, denn Qi Gong unterscheidet sich ja gerade durch seine philosophischen Hintergründe von z.B. Gymnastik oder Aerobic o.ä., aber versucht es doch einmal umgekehrt: Mein erster Meister sagte einmal zu mir: Wenn du selbst ein Meister werden willst, mach 10 Jahre lang das nach, was ich dir hier zeige, danach kannst du dir eigene Gedanken machen. Soll heißen: Lerne durch die Praxis (ich würde ergänzen: „und in der Freizeit kümmere dich um die theoretischen Grundlagen“).

Im alten China (und teilweise heute noch) lernte ein Schüler so:

10 Jahre machte der Meister seine Übungen und der Schüler machte Sie einfach nach. Dabei sagte der Meister oft  kein Wort, bis er irgendwann einmal sagte: „Jetzt bist du soweit!“ Der Schüler wurde zum Meisterschüler und erfuhr dann erst richige Unterweisung, denn der Meister wusste, jetzt will er es richtig, es lohnt sich, ihn (den Schüler) zu fördern.

Hier in Deutschland ist es leider oft umgekehrt: Die Schüler wollen alles möglichst gleich wissen, sie haben wenig Geduld und sind schnell enttäuscht, wenn es nicht gleich so klappt, wie sie sich das vorstellen. Da muss dann auch der schwarze Gürtel möglichst innerhalb von 3-4 Jahren abgelegt werden, Kinder bekommen ihn schon (obwohl sie ja die menschliche und geistige Reife noch gar nicht haben können), da muss z.B. die 24er Taichi Form möglichst in einem halben Jahr oder die Karate Kata in zwei Wochen gelernt werden usw.

Nun, und das sieht man dann auch…

Warum sieht es denn so viel besser aus, wenn ein Meister, der die Form oder Kata seit 20,30 oder 40 Jahren Übung präsentiert… einfach, weil er dieselbe Form immer wieder verbessert, er muss nicht mehr darüber nachdenken, wie denn die einzelne Bewegung geht, sondern er denkt über Energieflüsse, über medizinische und philosophische Hintergründe nach, oder -wie in der Tai chi Form oder der Karate Kata o.a.- über mögliche Anwendungen der Übung, was ist Verteidigung, was Angriff usw.. Das kann man einfach nach einigen Wochen oder Monaten noch nicht. Und schon gar nicht als Anfänger….

Also… Geduld haben, kleine Schritte gehen…

„Wenn du schnell an dein Ziel kommen willst, geh langsam (oder mache einen Umweg)“ chin. Sprichwort

Soweit, so gut: Aber was bringt es mir nun,wenn ich so lange übe:

Dies ist sicher ein weites Feld: Die Übungen können dir,

– Freude und Entspannung, innere Harmonie und Ruhe

– inneren Gleichmut (nicht gleichzustezen mit Gleichgültigkeit)

– Verbesserung der Funktionen der inneren Organe (Funktionskreise)

– Verbesserung der Konstitution, des Gleichgewichts, der Koordination

– Besserung des Selbstwertgefühls (durch Gruppendynamik)

– positive Einflussnahme auf psychosomatische Erkrankungen

– Charakterformung z.B. Verbesserung der Durchsetzungsfähigkeit, der Durchhaltekraft, des äußeren Erscheinungsbildes (man wirkt gegenüber anderen Menschen anders, man erhält Rückmeldungen von anderen)

– man lernt die kleinen Dinge wieder schätzen, lernt genießen, lernt glücklich sein, lernt sich und andere besser kennen

Nun und das Alles mit scheinbar einfachen Übungen???

Zweifle nicht, mach einfach, denn diese Übungen haben sich seit Jahrtausenden bewährt. Falsch machen kannst du erst einmal nichts, denn es gibt (zumindest ist es mir nicht bekannt) keine negativen Nebenwirkungen. Es können lediglich erst einmal keine positiven Wirkungen eintreten.

Deshalb mein Rat: Such dir einen Lehrer/Trainer/Meister in deiner Umgebung und lass es dir zeigen. Und wie findest du den richtigen Meister? Schon wieder so eine Frage… Die Antwort: Ganz einfach: Lass deine Herz entscheiden. Wenn ihr beide zusammenpasst (wenn die Chemie stimmt), dann ist es erst einmal gut. „Bessere“ Meister gibt es immer, „schlechtere“ auch. Nimm erst einmal, was du kriegen kannst und übe,übe, übe… die Qualität kommt von allein und wenn du es ernst meinst, sowieso…..

So, jetzt lasse ich dich erst einmal etwas üben. Zu gegebener Zeit kannst du gern mal wieder hier vorbeischauen. Viel Spaß also beim Üben dieser wundervollen asiatischen Atem- und Bewegungskünste.

Allen Menschen Durchhaltevermögen und Wissensdurst

AnLa

 

Über Andreas Lahn

Lehrer/pädagog.Mitarbeiter, Tai chi-, Qi Gong- und Medizinischer Qi Gong Trainer,Karate Trainer seit 1990, Zen buddhistischer Schüler, geb.1958 , 3 wundervolle Kinder
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